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Meine erste Bulldogge

So, ich bin nun mittlerweile 35 Jahre alt und es liegt genau 10Jahre zurück (1995), als ich als das erste Mal eine Englische Bulldogge „in life“ gesehen habe. Damals entschlossen wir uns, ohne größere Recherchen, nach der Devise, „so einen müssen wir haben und nichts anderes“, eine Bulldogge zuzulegen. Mhhhh, nur wo her? Internet! Ich glaube, das gab es damals noch nicht so richtig und ein PC war in meinem Haushalt noch nicht vorhanden :-) Also, nichts wie los und die einschlägigen Zeitschriften erworben und gesucht. Ich glaube, es war in der „Such und Find“ oder „Der Heiße Draht“ wo wir eine Annonce entdeckten. An den genauen Text kann ich mich leider nicht mehr erinnern, jedenfalls stand: Englische Bulldogge, Rüde und mit Papieren abzugeben. Wir nichts wie zum Telefon, angerufen und nachgefragt. 
Ich weis noch, dass wir die damaligen „Züchter“ des Hundes sehr schlecht, auf Grund des niederbayrischen Dialektes, verstanden haben. Es hieß, der Hund ist 16 Wochen alt, Farbe braun mit weißen Abzeichen, hat Papiere und kostet 1.900.-DM. 
Wir fragten, wo kann man denn diesen Hund besichtigen könnten und es folgte die Gegenfrage, „Wo sind sie denn her?“. Wir gaben an, dass wir in der Nähe von Leipzig wohnen und sofort, ohne größere Überlegungen, wurde uns ein Vorschlag unterbreitet, den wir damals als super nett, freundlich und zuvorkommend hielten. Die „Züchter“ sagten, wir haben in der Nähe von Leipzig Bekannte und die sind gerade in Niederbayern und könnten den Hund mitnehmen. Oh, geil, spitze, das waren unsere ersten Gedanken und man rechnete sich schnell im Kopf aus, wie viel Zeit und vor allem Benzingeld man sparen könnte. Gesagt und getan, einen Termin vereinbart und kurze Zeit später, nicht mehr als 40km zu den angeblichen Bekannten gefahren.
Wir fuhren zu der besagten Adresse und wurden im Hof des Hauses von einem absolut genialen, süßen, für uns einzigartigen, kleinen Bulldog empfangen. Was soll man weiter sagen, den Kleinen gesehen und sofort in diesen verliebt. Es war ja auch das erste Bulldogbaby was wir je gesehen haben und jeder kann sich sicher vorstellen, wie es einem bei so einer Begegnung ergeht. Ohne groß Reden wurden durch uns die 1900.-DM entrichtet, durch den Bekannten ein Impfausweis und eine Ahnentafel ausgehändigt und der zügige Nachhauseweg angetreten.
Zu Hause angekommen, waren wir total Happy und konnten es kaum glauben. Endlich war er da, unser kleiner Bulldog und das in echt. Die „Züchter“ mal schnell angerufen und mitgeteilt, dass wir gut angekommen sind und der Kleine ne Wucht ist.
Laut der Ahnentafel des IRJGV (Mitglied in der EHU) hieß der Kleine, „Tarzan von der Donausicht“. Komischer Name, aber egal, den Hund mal schnell umgetauft in Konrad. Na ja, und die erste Zeit verging ja auch schnell und der Kleine wurde größer und schwerer.
Uns viel schon nach kurzer Zeit auf, das der Konrad keine Hoden im Skrotum hatte und wir machten uns beim „Züchter“ kundig. Was soll ich groß sagen! Dieser konnte uns da auch nicht weiterhelfen und alles nach dem Motto, „Pech gehabt, hättet ihr mal vorher den Hund genau angeschaut“. 
Na ja, egal, wir lieben diesen Hund und das auch ohne „Eier im Sack“ :-)
Plötzlich stellten wir fest, dass der Konrad Probleme mit den Augen hatte. Beide Augen wurden immer zugekniffen, tränten stark und es bildete sich öfters schleimiges Sekret im Augenwinkelbereich. Nun gut, Konrad genommen und ab in die Universitätsklinik nach Leipzig. Dort wurden wir gleich an einem FA für Augenheilkunde verwiesen und durch diesen mitgeteilt, dass der Konrad beidseitig Ektropium und Entropium (Karoauge) habe und man könnte dieses Problem mittels einer Operation beheben. 
Termin gemacht und unseren Dicken an beiden Augen für ca. 800.-DM operieren lassen. Es dauerte dann seine Zeit eh alle Wunden geheilt waren und es wurde eine Besserung sichtbar. Zumindest auf einem Auge, denn das andere Auge schien augenscheinlich zu trocknen. Durch den Arzt wurde später festgestellt, dass es bei diesem Auge Probleme mit der Tränendrüse gibt und man ständig mittels Medikamenten nachhelfen muss, um eine starke Austrocknung und Reibung zu verhindern. Auch diese Nachbehandlungen und verordneten Medikamente beliefen sich auf fast 400.-DM.
Unser Dicker war nun mittlerweile schon fast Jahr alt und vom Wesen her das Beste, was man sich als einen Hund wünschen kann.
Wir stellten eines Tages eine kleine kahle Stelle im Bereich der Oberschenkelinnenseite fest und gingen erneut zum Arzt. Natürlich aus Kostengründen erst mal zum Hausarzt zur Untersuchung. Dieser verschrieb eine Schwefeltinktur, welche immer auf diese Stelle gestrichen wurde. Diese Behandlung wurde eine Zeit durchgeführt und der äußerliche Zustand verschlechterte sich zusehend. Wir begaben uns erneut in die Universitätsklinik nach Leipzig und dem Konrad wurden Hautzellen an mehreren Körperstellen entfernt. Nach einiger Zeit wurde dann starke Demodikose diagnostiziert und Spülungen namens „Ectodex“ (o.s.ä.) verschrieben. Dieses Zeugs war natürlich mal wieder nicht billig und der gesamte Hund musste wöchentlich damit gewaschen werden. Diese ganze Prozedur war mit Sicherheit für unseren Konrad sehr anstrengend und auch schmerzhaft. All diese Spülungen halfen nichts und das Haarkleid, die Haut sowie der Allgemeinzustand wurden immer schlimmer. Aus den Anfangs kahlen Stellen wurden Handflächengroße offene, stets nässende Wunden. Er sah wirklich schlimm aus unser Kleiner und wir konnten nur tatenlos zusehen und medizinisch nichts für ihn tun.
Natürlich packte mich die Wut und ehrlich gesagt hatte ich „die Schnauze gestrichen voll“, ständig Unmengen an Geld für Medikamente auszugeben und keine Hoffnung auf Besserung zu sehen. 
Also faste ich den Mut und rief erneut bei dem „Züchter“ an, um mit diesem über die Problematik der Krankheiten zu sprechen und um eventuell eine Beteiligung an weiteren Behandlungskosten zu erreichen. Natürlich wurde durch diesen alles geleugnet und wir waren es, die diesen Hund krank gemacht haben. Ich vertrat vor dem „Züchter“ die Meinung, dass die Demodikose bei unserem Hund mit Sicherheit vererbt wurde. Diese Aussage bezog ich auf die Äußerungen der Tierärzte, mit welchen ich ständig Kontakt hatte. Natürlich wurde das Gespräch unsanft beendet und ich konnte auf keinerlei Hilfe des „Züchters“ hoffen.
Nun gut, dachte ich! Wenn einem der „Züchter nicht hilft, dann doch sicherlich der zugehörige Hundeverein“. Da waren doch noch die Papiere und ich dachte mir, der Verein wird mir schon helfen. Aber falsch gedacht, mein einziger und letzter Anruf bei einer Mitarbeiterin des Vereins erbrachte nur, dass diese, nachdem ich den ganzen Sachverhalt geschildert hatte, zu mir sagte, „Wissen sie, in meinen Augen sind die Bulldoggen Qualzuchten und gehören eigentlich ausgemerzt“. Ich dachte mich tritt ein Pferd in den Allerwertesten, als ich diese Äußerung vernahm. Und wieder wurde mir bewiesen, dass man als kleiner unerfahrener Welpenkäufer keinerlei Chancen auf Gehör und Hilfe hat, wenn es Probleme mit dem erworbenen Hund gibt.
Mittlerweile hatten wir uns nun auch das damals einzig erhältliche Bulldogbuch von I. Angehrn zugelegt und uns belesen. 
Keiner konnte uns damals so richtig helfen und unsere Fragen beantworten und so konnten wir nur hoffen, dass die Medikamente eines Tages anschlagen und unserem Dicken das Leben erleichtern.
Nun ja, gleichzeitig trugen wir uns mit dem Gedanken eine weitere Bulldogge anzuschaffen.
Auf Grund von vielen Ausstellungsbesuchen, wurde in uns ein starkes Interesse am Ausstellungswesen geweckt. Über die Welpenvermittlung des ACEB erhielten wir damals Telefonnummern von einigen Züchtern und setzen uns auch telefonisch mit einer Züchterin in Verbindung. Diese, und ich will sie gern beim Namen nennen, war Frau B. Braum vom Zwinger Floral Garden. Diese hatte zum damaligen Zeitpunkt Welpen in ihrem Zwinger und lud uns herzlich zu einem Besuch ein.
Wir fuhren dann knapp 500km in Richtung Frankfurt a. M. und besuchten die g. Züchterin. Bei dieser wurden wir herzlich aufgenommen und all unsere Fragen rund um den Bulldog beantwortet. Wir verliebten uns dann in eine dunkelgestromte Hündin mit weißen Abzeichen und sagten; „das ist sie, die wollen wir haben“. Zwischenzeitlich besuchten wir diese Züchterin erneut und brachten auch unseren Konrad mit zu ihr. Natürlich kann sich jeder vorstellen, wie die Reaktion der Züchterin war, als sie dieses Häufchen Elend erblickte. Es drehte sich bei unseren Gesprächen kaum um den vorhanden Wurf, sondern Größtenteils um Konrad und wie man ihm helfen kann. 
Ach zuhause hatten wir sehr oft telefonischen Kontakt zu dieser Züchterin und sie gab uns weitere Tipps bei der Behandlung Konrads Krankheiten. Unter anderem versuchten wir es mit Homöopathie und ich spritzte den Konrad wöchentlich Subkutan. Leider weis ich den Namen dieser ebenfalls sehr teuren Ampullen nicht mehr.
Kurze Zeit später fuhren wir dann wieder Richtung Frankfurt a. M. und kauften uns die ausgesuchte Bulldogge. Es war natürlich wieder ein wunderbares Gefühl, so einen kleinen Hosenscheißer zu Hause zu haben und wir freuten uns auf eine Spielgefährtin für Konrad.
Mit diesem Hund konnten wir uns auch endlich auf Rassehundeausstellungen zeigen und diesen später auch vorführen. Bei allen Fragen rund um die Gesundheit, Ernährung sowie Pflege stand uns die Züchterin zur Verfügung.
Sicherlich konnten wir uns den Traum einer eigenen Zucht nicht erfüllen, da dieser Hund mittlere HD hatte und somit nach den Reglungen des Verbandes nicht zur Zucht zugelassen wurde. Aber desto trotz, war der Hund ansonsten kerngesund und hatte keinerlei Makel.
Der Zustand unseres Konrads hingegen verschlechterte sich immer mehr. Mittlerweile konnte der arme Kerl kaum noch richtig laufen, ohne dass seine Pfoten bluteten. Er hatte an beiden Vorderpfoten starke Zwischenzehenekzeme, welche die Pfoten stark anschwellen ließen. 
Auch die weiteren Tierarztbesuche konnten dem Kleinen nicht helfen. Sein Allgemeinzustand wurde immer schlechter und ich entschloss mich, ohne große Vorbereitung und Terminabsprache, den Hund von seinen Leiden zu erlösen. Sicherlich war es die schwerste Entscheidung in meinem Leben, aber selbst der behandelnde Tierarzt sagte, dass er so etwas noch nicht gesehen habe und dass der Hund mit sehr hoher Wahrscheinlich starke Schmerzen hatte. Er befürwortete meine Entscheidung und sagte, dass es das Beste für ihn sei.
Nach nun fast 2 Jahren erlöste ich den Konrad von seinem Leid und weis, dass er mir dankbar dafür ist. Es war eine schwere Entscheidung und wenn ich auf diese 2 Lebensjahre zurückblicke, weis ich mit Sicherheit, dass der Kleine kein schönes Leben in seiner Haut hatte. Leider gehören unsere Bulldoggen ja nun auch zu den Rassen, die einem nicht immer zeigen, wenn es ihnen schlecht geht und auch so einiges weg stecken.
Anmerken möchte ich noch, dass die damalige Veterinärmedizin noch nicht den heutigen Wissenstand hatte.

Verfasser: Michael